1995: Initiative zur Mobilen Jugendarbeit

Auf der Amtsausschusssitzung am 16. Januar 1995 stellte Herr Duve vom Landkreis Bad Doberan eine Initiative für die Verbesserung der Jugendarbeit in den Landgemeinden der Region vor. Das Projekt wurde mehrheitlich gebilligt, eine Beschlussfassung dazu sollte nach bezifferung der Kosten erfolgen.

MOBILE JUGENDARBEIT AUF DEM LANDE

Situation im Landbereich

Die allgemein schwach entwickelte wirtschaftliche Situation in unserem Landkreis wirkt sich in besonderer Weise auch auf die Situation der Kids [Kinder] und Jugendlichen im Landbereich aus. Fehlende Jugendeinrichtungen und Freizeitangebote tragen mit dazu bei, das Kids und Jugendliche in den Landgemeinden immer weiter ins Abseits geraten und dadurch nicht die notwendige Sozialisation erhalten. Mit den bestehenden Sportvereinen und Freiwilligen Feuerwehren werden nur interessierte Kids und Jugendliche erreicht Die normalen Treffpunkte bleiben für ein Großteil der Kids und Jugendlichen selbst im Winter die Buswartehäuschen, die abgelegene zerfallene Scheune oder der Spielautomat in der Kneipe.

Viele der Kids und Jugendlichen in den Landgemeinden kommen aus schwach struktuierten Familien. Die meisten von ihnen haben mehr als einmal die Erfahrung gemacht,nicht erwünscht zu sein. Die Aggressionsbereitschaft unter diesen Kids und Jugendlichen ist sehr groß und äußert sich immer wieder in spontanen Entladungen. Diese und andere Kids,Jugendliche sind es dann auch die sich zu Gruppen zusammenschließen und sich mehr negativ darstellen.

Die meisten Jugendlichen sehen ihre Zukunft eher negativ und ohne Perspektive, dazu tragen Lehrstellenmangel, niedrige Schulbildung und Arbeitslosigkeit bei. So fehlt ihnen auch die Motivation, etwas für sich zum Besseren zu wenden. Ihr Selbstwertgefühl ist gering. Die häufig zur Schau getragene Selbstsicherheit versucht ihre Unsicherheit und die Zweifel an sich selbst zu überspielen.

Das Projekt Mobile Jugendarbeit auf dem Lande soll einen Weg aufzeigen, der diesen Problemfeldern entgegenwirken kann .

Einzugsbereich:
Bad Doberan Land mit 11 Dörfern und 2 Ortsteilen

Ziele der mobilen Jugendarbeit:
Mobile Jugendarbeit soll Kids und jugendliche helfen, die Freizeitarbeit zu organisieren und gestalten. Kids und Jugendliche sollen Hilfen bei der Bewältigung von Problemen und Krisensituationen gegeben werden. Jugendstrukturen (Vereine) sollen entwickelt werden. Vorhandene Jugendtreffs sollen für dieFreizeitarbeit genutzt bzw. Jugendtreffs geschaffen werden. Mit den Kids und Jugendlichen Freizeitangebote erarbeiten und durchführen. Je nach Bedarf sollen Interessengemeingemeinschaften gebildet werden.Für die Freizeitarbeit wollen wir Freizeitbetreuer gewinnen (Junge Erwachsene, Arbeitslose) .

Das Interesse der Kommunen,Einrichtungen und Betriebe für die Jugenarbeit wecken und einbeziehen. Eine enge Zusammenarbeit mit allen gesellschaftlichen Kräften und der Kommune im Territorium entwickeln.

Inhalte/Methoden


Gesprächsangebote:
Fragen und Probleme ins Gespräch zu kommen. Sie sollen befähigt werden, ihre Belange besser zu artikulieren. Das Hauptziel ist unter dem Aspekt Hilfe zur Selbsthilfe zu betrachten. Eigenkräfte sollen mobilisiert werden und das Gefühl der Akzeptanz soll in den Gesprächen vermittelt werden.

Hilfe bei lebenspraktischen Belangen:
Die Jugendlichen sollen Unterstützung erhalten bei der Bewältigung von lebenspraktischen Fragen wie Bewerbung, Lehrstellen, Schule aber auch bei der Vermittlung und Begleitung zu Beratungsstellen und Einrichtungen.

Freizeitangebote für Kids und Jugendliche:
Freizeitangebote sollen mit den Kids und Jugendlichen erarbeit werden. In erster Linie handelt es sich hier um offene Freizeitangebote (Spiele, Freizeitsport, Unterhaltung) . Bei vorhandenen Interesse für spezielle Freizeitfelder (z. B. Computer, Kraftsport, Freizeitsport, kreatives Gestalten) soll die Bildung von Interessengemeinschaften angestrebt werden.

Kinder- und Jugenderholung:
Kinder und Jugenderholungsmaßnahmen wollen wir für Kids und und Jugendliche aus sozialschwachen Familien organisieren. Dazu gehören auch Wochenendfreizeiten, Studien- und Bildungsfahrten .

Begleitung vorhandener Jugendtreffs:
Vorhandene Jugendtreffs wollen wir in ihrer Arbeit unterstützen und Anregungen für die Freizeitarbeit geben. Die Interessen der Treffs gegenüber Kommunen durchsetzen helfen. Organisation und Durchführung von gemeinsamen Veranstaltungen im Territorium. Hilfe und Unterstützung geben beim Antragsverfahren (Beantragung von Fördermittel beim Landkreis und Land).

Schaffung von Jugendtreffs:
In Zusammenarbeit mit der Kommune soll geprüft werden, welche vorhandenen Einrichtungen/Räume, wenn vorhanden Turnhallen, für eine Jugendfreizeit genutzt werden kann bzw. durch Umbau und Rekonstruktion Jugendtreffs geschaffen werden können.

Erlebnispädagogische Freizeitarbeit:
Mit erlebnispädagogischen Maßnahmen und Jugendsozialarbeit sollen Kids und Jugendliche angesprochen werden, die gewaltorientiert sind und in ihren Familien keinen Halt mehr finden. Mit verschiedenen Maßnahmen wollen wir das Gemeinschaftsgefühl und die Integration in die Gesellschaft erreichen und entwickeln.

Zusammenarbeit und Kommunikation:
Für die Jugendarbeit sind Partner notwendig. Eine enge Zusammenarbeit mit der Kommune, Einrichtungen und ansässigen Betrieben soll gestaltet werden.

Fachliche Anleitung des Projektes:
Die fachliche Anleitung wird gewährleistet durch das Jugendamt des Landkreises Bad Doberan und dem Kinder- und Jugendring e.V.

Finanzierung

Mobile Jugendarbeit auf dem Lande:
Mobile Jugendarbeit soll realisiert werden, durch :

  • 3 Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und einem Sachkostenzuschuß durch das Sozialministerium von 15 Prozent,
  • Anteilsfinanzierung nach Kapitel 1 des Landesjugendplanes Pilotprojektförderung,
  • Fördermittel des Landkreises Bad Doberan und den Kommunen im Einzugsbereich.

Bad Doberan, Januar 1995